An dem Tag an dem wir uns auf den Weg machten, hatte ich zunächst gemischte Gefühle und mehrere Fragen schwirrten in meinem Kopf herum. Wie wird mir das Leben im Van gefallen? Werden wir es auf so engem Raum zusammen aushalten? Reicht das ersparte Geld? Werde ich mich daran gewöhnen, keinen festen Wohnsitz zu haben?

Viele Dinge waren ungewiss und ich und auch Julius haben vorher kaum Erfahrungen mit Camping oder Ähnlichem gemacht. Außerdem, war ich noch nie vorher für so einen langen Zeitraum von Freunden und Familie getrennt. Es lagen also eine Menge neuer Erfahrungen vor uns und ob sie uns gefallen werden, konnten wir nur herausfinden indem wir einfach losfuhren. Ich will im Folgenden auf die Reise zurückblicken und prägende Erfahrungen schildern.

Das Leben im Van gefiel mir vom ersten Tag an. Es war einfach ein tolles Gefühl, einzusteigen und loszufahren. Wir hatten zwar immer ein festes Ziel vor Augen aber wir hätten es uns auch problemlos anders überlegen können. Kein Hotel mit einer Reservierung erwartete uns und nach einem passenden Platz suchte ich meistens erst den Abend vor der Weiterfahrt oder auch erst kurz vor Abreise. Wir haben Entscheidungen fast nur spontan getroffen und uns letztendlich auch kaum an die geplante Reiseroute gehalten, es bestand keinerlei Zwang oder Vorgaben. Am Anfang war es mir noch sehr wichtig, mich an die Route zu halten um bloß nichts zu verpassen. Schließlich hatte ich die vielen Orte ja ausgesucht, weil sie so wunderschön und sehenswert waren. Ziemlich schnell merkte ich aber, dass es bei dieser Reise weniger darum ging möglichst viele Orte „abzuarbeiten“, vielmehr ging es darum Orte zu finden, an denen man sich wohlfühlt, die einen begeistern und wo man Dinge sieht und erlebt, die man noch nicht kannte. 

In Bayern und Österreich haben wir viel Zeit umgeben von Bergen und Seen verbracht. In so einer Umgebung fühlt man sich selbst so klein und unbedeutend. Das Leben erscheint einem so einfach und umkompliziert. Die eigenen Probleme werden unwichtig, weil man merkt, dass man inmitten der riesigen Berge nur ein kleiner Fleck ist. Wir haben in dieser Zeit noch sehr für uns gelebt und wenig Kontakt gesucht. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass wir auf vielen sehr organisierten Campingplätzen standen, zusammen mit großen, luxuriösen Wohnmobilen und Campern, die eine andere Vorstellung und einen anderen Standard beim Reisen auf vier Rädern hatten als wir. Während unserer Zeit in Italien haben wir dann aber viele tolle Menschen kennengelernt. Viele davon teilten unsere Leidenschaft für ausgebaute Vans oder allgemein für eine einfache und unkomplizierte Art zu reisen. Ob es Paderborner mit guten Reisetipps in Kaltern waren, lustige junge Paare in Venedig oder mittlerweile gute Freunde mit der gleichen Vorliebe für gutes Essen und Aperol Spritz auf Capri. Von allen konnten wir etwas dazulernen.

Ein sehr prägendes Erlebnis war für uns beide die Zeit am Meer. Numana war unserer erstes Ziel direkt an der Adriaküste und das erste Mal seit Langem, dass wir das Meer wieder sahen. Nach den vielen Seen haben wir uns sehr darauf gefreut. Am Meer ist es auch ganz anders als an einem Bergsee. Das Wasser wirkt viel mächtiger und man sieht das Ende nicht, es hat eine ähnlich einschüchternde Wirkung wie die vielen großen Berge zuvor. Wir konnten uns gar nicht daran satt sehen und haben die Zeit in den Wellen und am Strand auch danach an anderen Orten sehr genossen. Nach dieser Reise haben wir beide auf jeden Fall unsere Liebe zum Meer entdeckt. Die Nähe zur Natur wird uns die nächsten Monate bestimmt sehr fehlen. 

Eine Sache, die ich mir erhofft habe auf der Reise zu lernen, war ein minimalistisches Leben führen zu können. Ich wollte lernen, mit wenig glücklich zu sein und mir vor Augen führen, dass alles endlich ist. Es wurde mir auf der Reise erst richtig bewusst, wie viele Dinge man für ein komfortables Leben braucht und verbraucht. Zu Hause war es selbstverständlich, dass man den Hahn aufdreht und unbegrenzt fließendes Wasser zu Verfügung steht. Wenn unser Wasser leer war, mussten wir immer unseren Kanister nehmen und wieder auffüllen. Wenn wir etwas kochen wollten haben wir unseren Gaskocher aufgebaut und gehofft, dass die Gasflasche bis zum Ende der Reise durchhält. Besser kann man sich seinen eigenen Verbrauch nicht vor Augen führen. Wir haben dieses einfache Leben geliebt und haben es total genossen einen kleinen gemeinsamen Haushalt zu haben. Ein Haushalt, den wir überall hinbewegen können. Diese Freiheit haben wir sehr zu schätzen gelernt. Ich hatte zunächst Bedenken, dass es schwierig werden könnte, sich an jedem Ort wohl zu fühlen aber es stellte sich das Gegenteil heraus. Wir haben unseren Van so gemütlich und wohnlich ausgestattet, dass es ein Zufluchtsort für uns geworden ist. Egal wo wir waren, wir hatten immer ein Stück zu Hause und einen bekannten Ort, an den wir am Ende des Tages zurückkehren konnten, dabei. 

Diese zwei Monate haben uns sehr geprägt und werden wahrscheinlich ewig in unserer Erinnerung bleiben. Wir haben eine neue Art zu reisen kennengelernt, wunderschöne Orte gesehen und tolle Menschen getroffen. Nach der langen Zeit ist uns die Lust am Reisen nicht vergangen und wir freuen uns auf das nächste Abenteuer.

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